Familienbildung mit medizinischer Unterstützung


Da das Thema 'Reproduktionsmedizin'  in Deutschland immer noch weitgehend tabuisiert wird, fällt es betroffenen heterosexuellen (Ehe)-Paaren oftmals schwer sich im Familien- und Freundeskreis mitzuteilen und um seelische (und ggf. auch finanzielle) Unterstützung zu bitten. 

Für homosexuelle Paare sowie Alleinstehende, die mit medizinischer Hilfe eine Familie gründen möchten, gestaltet sich der Weg noch schwieriger, da es viele rechtliche Hürden zu nehmen gilt. 

Die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz von unkonventionellen Familienkonstellationen (Regenbogenfamilien, Solo-Müttern, lesbische Familien, schwule Paaren, die mit Hilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen) kommt erschwerend dazu.

Es ist mir ein Herzensanliegen Menschen bei ihrer Familienbildung zu unterstützen. In meiner Praxis begleite ich Menschen, die sich eine klassische Familie (Vater - Mutter - Kind/er) wünschen, aber auch homosexuelle Paare sowie Alleinstehende, die sich für andere Familienformen entschieden haben. 

Bei den  'unkonventionellen' Familienkonstellationen arbeite ich genauso wie bei den "klassischen" Familienformen mit systemischer Aufstellungsarbeit (Familienstellen).
Jeder hat seinen entsprechenden Platz im Familiensystem und jeder wird gewürdigt: Die Mutter, das Kind, die Co-Mutter, der (anonyme) Samenspender, die (anonyme) Eizellspenderin, der Partner des nicht-anonymen Spenders, die beiden schwulen Väter, die Leihmutter u.a. sowie die Grosseltern und Ahnen aller Beteiligten. 

All die Menschen, die sich für eine unkonventionelle Familiengründung entschliessen sind hierzulande (noch) Pioniere. Pioniere sind mutig und sie gehen voran, nichtsdestotrotz kann so ein Pionier-Dasein sehr viel Kraft kosten (ich weiss dies aus eigener Erfahrung, da ich selbst eine unkonventionelle Familie gegründet habe).

Eine kinesiologische Begleitung, die Stress ablöst und dazu beiträgt, dass man schnell wieder in seine Mitte und Kraft kommt, ist hierbei immer sehr hilfreich. 


Wissenswertes zum Thema 'Reproduktionsmedizin':
 

Das deutsche Embryonenschutzgesetz  von 1999 verhindert eine Kinderwunschbehandlung auf europäischem bzw. internationalem Niveau, sodass die Erfolgschancen einer IVF (In-Vitro-Fertilisation, Befruchtung im Reagenzglas) in Deutschland nicht nur geringer sind, sondern auch mit einer ausserordentlich hohe Zwillingsrate einhergehen.

Die deutschen Patientinnen haben hier das Nachsehen. Und Reproduktionsmediziner, die ihre Patientinnen umfassend beraten und gegebenenfalls auf reproduktionsmedizinische Behandlungen im europäischen Ausland wie z.B. die Eizellspende oder Leihmutterschaft hinweisen, stehen mit einem Fuss im Gefängnis. 

Die Eizellspende ist übrigens - bis auf Deutschland -  in allen EU-Mitgliedstaaten erlaubt.


               "In Deutschland darf ich meiner Schwester eine Niere spenden, 
                            aber keine Eizelle. Das sind Männergesetze!"  
                                                 Dr. E. (Gynäkologin)


Vor vielen Jahrzehnten mussten deutsche Frauen ihren Koffer packen um im Ausland eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Jetzt steigen ihre Enkelinnen in ein Flugzeug nach Kopenhagen, Madrid oder Prag um sich dort in einer Kinderwunschklinik behandeln zu lassen. 

Es ist höchste Zeit, dass sich in Deutschland etwas verändert - für die Patientinnen wie auch die Ärzte.

Im Juni 2019 veröffentlichten Forscher der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Leopoldina eine umfassende Stellungnahme in welcher sie eine neue und zeitgemässe Gesetzgebung für die Fortpflanzungsmedizin in Deutschland fordern.

Im Bundestag steht allein die kleine FDP-Fraktion für eine Liberalisierung in Sachen Reproduktionsmedizin. Es bleibt zu hoffen, dass die Forscher auch die anderen Fraktionen von der Notwendigkeit einer zeitgemässen Gesetzgebung überzeugen mögen. 

Literatur & Links:
  • Bernard, A., Kinder machen. Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie. Samenspender, Leihmütter, Künstliche Befruchtung. Frankfurt a.M., 2014 (543 Seiten). Sie erhalten dieses umfassende Standardwerk auch über die   "Bundeszentrale für politische Bildung" zu einem symbolischen Preis von 1,- € zzgl. Versand.